17 Einreichungen übertreffen die Erwartungen der Jury

Ergebnis des Libretto-Wettbewerbs

Stück über Mathilde von Mevissen auf dem 1. Platz

Die Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg im Kölner Männer-Gesang-Verein bringt mit dem DIVERTISSEMENTCHEN seit über 150 Jahren jedes Jahr die Uraufführung eines echt kölschen Chor-Musicals auf die Bühne. Die über 100 Tänzer und Sänger der Bühnengemeinschaft sind allesamt Laien und arbeiten mit einem professionellen Team aus Regie, Musik, Kostüm, Bühne etc. zusammen. Das DIVERTISSEMENTCHEN 2026 „E Levve för Kölle“ zum 150. Geburtstag des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer wurde im Januar und Februar fast 30 mal in der Oper Köln im Staatenhaus aufgeführt und von Publikum wie Presse begeistert aufgenommen. Der WDR überträgt seit 1978 jedes Jahr eine fürs Fernsehen leicht gekürzte Fassung.

Für die Spielzeit 2028 (Premiere im Januar 2028) lobte die Spielgemeinschaft ihrer Satzung folgend im Frühjahr 2025 einen Wettbewerb um die originellste Stückidee bzw. das beste Libretto für ein neues Stück aus. Im ersten Schritt wurde um Vorlage eines Titels und Handlungsentwurfes (Exposés) inkl. detaillierter Szenenbeschreibung und Auflistung der Personen und Spielorte sowie um einen Auszug aus einer Kernszene des vorgeschlagenen Stückes in fertig ausgearbeiteter Dialogform in kölscher Sprache gebeten. Ausdrücklich richtete sich der Wettbewerb neben professionellen Autorinnen und Autoren auch an Mitglieder der Spielgemeinschaft und Menschen aus dem Freundeskreis und Fanclub des DIVERTISSEMENTCHENs. Die Einreichungsfrist endete am 31. Oktober 2025.

 

Jury und Auswahlverfahren

Der Baas der Cäcilia Wolkenburg Simon Wendring wurde von den Gremien des KMGV zum Leiter des Wettbewerbs ernannt. Die Jury bestand aus sieben Mitgliedern: Vertreter des KMGV-Vorstands und des Cäcilia-Ausschusses sowie Ehren-Baase der Cäcilia Wolkenburg. Als externer Experte wurde der langjährige DIVERTISSEMENTCHEN-Regisseur Lajos Wenzel für einen Teil des Auswahlverfahrens hinzugezogen. Weder die Jurymitglieder noch der Wettbewerbsleiter noch der Experte waren Urheber einer Einreichung oder an einer Einreichung beteiligt. Der Wettbewerbsleiter stellte den Jurymitgliedern alle Einreichungen sowie dem Experten einen von der Jury ausgewählten Teil der Einreichungen in anonymisierter Form zur Verfügung, die keine Rückschlüsse auf deren Urheber zuließen. Bewertungsgrundlage waren die Exposés und die ausgearbeiteten Kern-Szenen.

 

Einreichungen

Bis zum Einreichungsschluss gingen 17 Einreichungen sowie eine E-Mail mit nicht ausgearbeiteten Ideen ein. Letztere wurde aus formalen Gründen nicht berücksichtigt. Von den 17 Einreichungen wurde keine aus formalen Gründen abgelehnt. Alle 17 Einreichungen wurden in anonymisierter Form, die keine Rückschlüsse auf deren Urheber zuließen, von der Jury gelesen und bewertet.

Zwei Engel für Conny - E Levve för Kölle - Divertissementchen 2026
Tänzer und Sänger bei der Eröffnung der Ford-Werke 1930 - E Levve för Kölle - Divertissementchen 2026

Preisträger

Für den mit dem 1. Platz prämierten Entwurf wird ein Preisgeld i.H.v. 2.500 EUR ausgezahlt. Für die Plätze 2 und 3 wird jeweils ein Preisgeld i.H.v. 1.000 Euro ausgezahlt.

Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Beiträge wurden von der Jury nicht wie angekündigt drei, sondern vier Beiträge prämiert, wobei zwei Einreichungen gleichwertig den 3. Platz belegen.

Platz 1:

KÖLSCHE MÄDCHER, AFF NOH BOVVE!
eingereicht von Harald van Bonn
Divertissementchen zum 125. Jahrestag der Gründung des ersten Mädchengymnasiums

Das Divertissementchen erzählt die Geschichte der Gründung der Gymnasialen Studienanstalt für Mädchen 1903 in Köln, dem ersten Mädchengymnasiums Preußens. Die Hauptfiguren sind Mathilde von Mevissen und Elisabeth von Mumm, zwei Freundinnen und treibende Kräfte hinter der Schulgründung, die viele Hindernisse überwinden, um dafür zu sorgen, dass höhere schulische Bildung nicht nur den jungen Männern vorbehalten bleibt.

Die Jury würdigt insbesondere die Verbindung von Kölner Historie und Unterhaltung sowie die Wahl eines Themas, das in der Geschichtsschreibung bisher wenig Aufmerksamkeit fand, sowie den bühnenerzählerischen Ansatz und die Anlage von Rollen und Handlung.

Platz 2:

DE HEINZELMÄDCHER ZO KÖLLE
eingereicht von Manuel Anastasi
Märchenhafte Fortsetzung der Sage der Kölner Heinzelmännchen

Das Divertissementchen knüpft an die Kölner Sage der Heinzelmännchen an, die nach ihren Erlebnissen ins Exil auf die Schäl Sick vertrieben wurden. Die Hauptfiguren sind die von ihren Heinzelmännern verlassenen Frauen, die sich auf eine gefährliche Reise begeben, um ihre geliebten Männer zu finden. Dabei begegnen ihnen Gestalten aus anderen Märchen und Erzählungen und sie müssen auf ihrer Mission einige turbulente Abenteuer bestehen.

Die Jury würdigt insbesondere die originelle Idee sowie die szenisch kreative Ausgestaltung der abenteuerlichen Reise.

Platz 3:

– gleichwertig für zwei Beiträge vergeben –

MELISSENJEIST
eingereicht von Jürgen Nimptsch
Historisches Divertissementchen zum 200jährigen Bestehen des Unternehmens der Klosterfrau Maria Clementine Martin

Das Divertissementchen erzählt den schweren, aber letztlich erfolgreichen Weg der Klosterfrau in den Jahren 1815 bis 1830. In zahlreiche Konfliktlinien werden die Widerstände und Intrigen ihrer Widersacher aufgezeigt. Sie setzt sich als Unternehmerin mit Witz, Humor, Intelligenz und Willenskraft gegen alle Widerstände durch, die ihr als Frau in einer von Männern dominierten Welt entgegenstehen.

Die Jury würdigt insbesondere den dramaturgischen Aufbau und die akribische Ausarbeitung der erzählerischen Idee.

DIE ZAUBERFLÖNZ
eingereicht von Klaus Kröhne und Jakob Nacken
Divertissementchen über die Entstehung, den Verlust und die Wiederentdeckung der kölschen Seele

Das Divertissementchen erzählt auf Basis der Handlung von Mozarts „Die Zauberflöte“ die Geschichte der sagenhaften „Zauberflönz“ als Symbol für Lebensfreude, Gemeinschaft und echtes Kölschsein. Hauptfiguren sind der charmante Köbes Tünnino, der gegen den Karnevals-Kommerz seiner Chefin Roswita aufbegehrt. Aus Liebe zu deren Tochter Pamela begibt er sich auf die Suche nach dem Originalrezept der Zauberflönz und muss dabei eine Reihe von Prüfungen bestehen.

Die Jury würdigt insbesondere die kunstvoll-kölsche Neu-Interpretation des klassischen Stoffes von Mozarts berühmtester Oper.

De kölsche Fledermaus - Divertissementchen 2025 - Solist im Nachtclub
De kölsche Fledermaus - Divertissementchen 2025 - Ballett in Pose
Köln 1905: Konrad Adenauer tanzt mit seiner Braut Emma Weyer bei der Hochzeit - E Levve för Kölle - Divertissementchen 2026

Ausblick

Der Cäcilia-Ausschuss des Kölner Männer-Gesang-Vereins hat entschieden, dass in der Spielzeit 2028 ein Stück auf der Grundlage der von der Jury auf dem 1. Platz gesetzte Einreichung „Kölsche Mädcher, aff noh bovve“ aufgeführt werden soll. Auf Wunsch des Autoren Harald van Bonn, der selbst noch kein Theaterstück verfasst hat, stellt die Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg ihm einen erfahrenen Divertissementchen-Autor an die Seite, der das Stück zur Bühnenreife bringen wird: Jürgen Nimptsch, Autor des Divertissementchens 2026 „E Levve för Kölle“ und Verfasser des auf den dritten Platz gesetzten Wettbewerbsbeitrags „Melissenjeist“, wird auf Grundlage des Entwurfes von Harald van Bonn und in enger Zusammenarbeit mit ihm ein Divertissementchen schreiben, in dessen Mittelpunkt Mathilde von Mevissen und ihre großen Verdienste um die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen in Schule und Universität stehen werden. Weitere Informationen zum Stück 2028 folgen.

Zillche en Jefahr - Divertissementchen 2024 - Gruppenbild aller Darsteller